Von der täglichen Flasche Whiskey zur Abstinenz
In der Psychiatrie Baselland finden Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit professionelle Unterstützung. Der 70-jährige Urs Liechti spricht offen über seinen Weg aus der Sucht.

Alkoholabhängigkeit zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der Schweiz. Viele Betroffene leiden lange im Stillen. In der Psychiatrie Baselland finden Menschen professionelle Unterstützung. Der 70-jährige Urs Liechti spricht offen über seine Lebensgeschichte und seinen Weg aus der Sucht.
Als Urs Liechti vor einigen Wochen ins Bruderholzspital einwiesen wurde, war sein Zustand kritisch. Er konnte kaum noch essen, hatte zehn Kilo verloren und war auf einen Rollator angewiesen. «Mein Körper sagte mir: Jetzt musst du etwas ändern», erinnert er sich. Über Monate hatte er täglich eine Flasche Whisky getrunken.
Heute sitzt der 70-Jährige in der Psychiatrie Baselland und spricht offen über seine Alkoholabhängigkeit. «Ich schäme mich nicht dafür. Ich bin Alkoholiker», sagt er. Hilfe anzunehmen, sei eine der besten Entscheidungen seines Lebens gewesen.
Gravierende körperliche Folgen
Matthias Jäger, Direktor der Erwachsenenpsychiatrie und Chefarzt der Privatklinik der Psychiatrie Baselland, erinnert sich an die Aufnahme: «Herr Liechti kam mit schweren Entzugssymptomen zu uns. Wer über längere Zeit täglich eine Flasche Whisky trinkt, hat oft gravierende körperliche Folgen.»
Alkoholabhängigkeit ist in der Schweiz weit verbreitet. «Fünf bis zehn Prozent der Menschen entwickeln im Lauf ihres Lebens eine Alkoholabhängigkeit», erklärt Matthias Jäger. Männer seien etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Gleichzeitig beobachte man bei jüngeren Menschen zunehmend problematischen Konsum mit verschiedenen Substanzen.
Typische Warnzeichen einer Abhängigkeit seien etwa eine steigende Toleranz, morgendliches Trinken oder sozialer Rückzug. «Irgendwann dreht sich alles nur noch um den Alkohol», so Jäger.
Bei Urs Liechti begann die Entwicklung schleichend. Alkohol sei immer Teil seines Lebens gewesen, erzählt er. Mit 63 Jahren verkaufte er seine Firma und ging frühzeitig in Pension. Dieser abrupte Wechsel sei nicht einfach gewesen: «Plötzlich fühlt man sich nicht mehr gebraucht.» Alkohol wurde zum Trostpflaster. Dazu kamen familiäre und finanzielle Belastungen. «Dann gerät man in eine Spirale, die einen runterzieht.»
Vorbereitung auf ein abstinentes Leben
In der Psychiatrie Baselland erhält Liechti eine stationäre Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung. Diese umfasst die medizinische Stabilisierung, die therapeutische Aufarbeitung der Ursachen und die Vorbereitung auf ein abstinentes Leben.
«Gemeinsam schauen wir, welche Funktion Alkohol im Leben der Betroffenen hatte», sagt Matthias Jäger. Themen seien etwa Stressbewältigung, Druck oder die Rückkehr in den Alltag. Bereits während des Aufenthalts werde geplant, welche Unterstützung nach dem Austritt nötig sei; zum Beispiel ambulante Psychotherapie, Suchtberatung, Selbsthilfegruppen oder die Begleitung durch die Hausärztin oder den Hausarzt. Rückfälle gehörten bei vielen Betroffenen zum Krankheitsverlauf. «Wichtig ist, nicht aufzugeben», betont Jäger.
Urs Liechti blickt heute vorsichtig optimistisch nach vorne. «Ich habe hier in der Privatklinik der Psychiatrie Baselland einen geschützten Rahmen. Das hilft mir enorm.» Körperlich gehe es ihm deutlich besser: Er habe bereits fünf Kilo zugenommen und könne auf den Hausberg Sichtere laufen. Sein Ziel sei klar: «0,0 Promille.»
Auch seine Sicht auf die Psychiatrie habe sich verändert. Seine Hausärztin habe ihm die Behandlung empfohlen. Davor habe er falsche Vorstellungen gehabt, sagt er. Die Behandlung und Betreuung in der Psychiatrie Baselland habe ihn positiv überrascht: «Hier sind Menschen mit Problemen und Menschen, die helfen. Und für knapp zwei Monate ist das mein Zuhause.»
Videoreportage von Urs Liechti in der Sendung Gsundhait von Prime News:
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